
Werte, die tragen (I)
Das unsichtbare Band
Warum Werte im Team über Erfolg entscheiden
Vor Kurzem hat mich eine Coachee in einer Coaching-Sitzung etwas gefragt, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: „Was sind eigentlich die wichtigsten Werte – für ein Team, für Führung, für den Vertrieb?“
Eine scheinbar einfache Frage, auf die es für mich keine schnelle, einzeilige Antwort gab und gibt.
Also ist daraus eine dreiteilige Newsletter-Serie entstanden.
Den Anfang macht das Team.
Und an dieser Stelle möchte ich meiner Coachee danken, dass Sie mir diese spannende und komplexe Frage gestellt hat.
Stell dir zwei Teams vor:
- Beide sind fachlich exzellent.
- Beide haben klare Ziele.
- Beide stehen unter Zeitdruck.
- Das eine läuft unter diesen Voraussetzungen ziemlich rund.
- Das andere reibt sich innerlich auf. Meetings werden zäh, Absprachen brechen, jeder schiebt dem anderen den Ball zu und die Stimmung ist ziemlich am Boden.
Der Unterschied liegt selten am Können. Er liegt an den Werten, die ein Team im Alltag tatsächlich lebt – nicht an denen, die im Leitbild an der Wand hängen.
Viel Freude beim Lesen,
dein Volker
DAS MODELL
Die 3 "V" des starken Teams
- Verlässlichkeit
Ich halte, was ich zusage. Auch wenn es unbequem wird. - Verantwortung
Ich übernehme meinen Teil, ohne auf andere zu zeigen. - Verbindung
Ich interessiere mich für den Menschen neben mir, nicht nur für seine Funktion. Das geht stark auch in Richtung Cross-Funktionales-Team (CFT)
Kurze Anekdote
WERTE IM TEAM ENTSTEHEN DURCH DAS, WAS DU TUST, WENN KEINER HINSCHAUT.
DAS MODELL
Aus meiner Praxis
Ich habe vor einiger Zeit ein Außendienstteam in der Pharmabranche begleitet, das regional stark unter Druck stand – Umstrukturierung, neue Zielvorgaben und mehrere Krankheitsausfälle gleichzeitig. Eigentlich ideale Bedingungen dafür, dass jeder nur noch sein eigenes Gebiet im Blick hat.
Stattdessen ist etwas passiert, das ich bis heute als Beispiel nutze: Eine Kollegin hat, ohne dass sie jemand darum gebeten hat, zwei Kundentermine einer erkrankten Teamkollegin übernommen – in ihrer eigenen ohnehin knappen Zeit. Sie machte kein großes Aufheben, stellte keine Frage, ob das „ihr Job“ sei. Sie hat einfach getan.
Im anschließenden Workshop haben wir genau diese Situation aufgegriffen. Und es kam die Erkenntnis im Team: Es gab keine Teamregel, die die Kollegin dazu gebracht hat. Es war eine gelebte Haltung von Verantwortung, die über die eigene Zielerreichung hinausging.
Und genau diese Situation hat das Vertrauen im gesamten Team spürbar und in den folgenden Feedbackrunden messbar erhöht.
Werte zeigen sich nicht in der Powerpoint-Folie zum Kick-Off. Sie zeigen sich in dem Moment, in dem es niemand von dir verlangt.
Reflexion
Für dein nächstes Gespräch
Nimm dir 5 Minuten und beantworte für dich:
- Wann habe ich das letzte Mal für eine/n TeamkollegIn etwas übernommen, ohne dass es meine Aufgabe war?
- Wo im Team funktioniert Verlässlichkeit gut – und wo eher schlecht?
- Gibt es jemanden im Team, dessen Situation ich gar nicht wirklich kenne?
- Welchen der drei Ringe – Verlässlichkeit, Verantwortung, Verbindung – würde mein Team mir am wenigsten zuschreiben?
Konkret umsetzbar
Deine ToDos
Wähle einen der drei Ringe, der in deinem Team aktuell am schwächsten ausgeprägt ist. Sprich ihn in der nächsten Teamrunde offen an – nicht als Vorwurf, sondern als Beobachtung. Und überlege dir vorab eine konkrete, kleine Handlung, mit der du selbst als Erste/r vorangehst.