
Warum Fachlichkeit allein heute nicht mehr ausreicht
So bleibst du unter Druck souverän
Ob im Gespräch mit fordernden KundInnen, emotionalen PatientInnen, kritischen ÄrztInnen oder angespannten KollegInnen: Viele Gespräche eskalieren heute nicht wegen der Inhalte, sondern wegen der inneren Verfassung der Beteiligten.
Zeitdruck, Personalmangel, steigende Erwartungen und eine zunehmende emotionale Dauerbelastung führen dazu, dass Menschen schneller und emotionaler reagieren anstatt kurz mal inne zu halten und zu reflektieren. Und genau hier entscheidet sich, ob ein Gespräch tragfähig und annehmbar bleibt oder emotional entgleist und „in die Hose geht“.
Dabei Souveränität zu bewahren ist kein Talent, sondern eine innere Kompetenz, die durchaus gut trainierbar ist.
Es geht dabei um deine innere Haltung.
Dazu fällt mir der Merksatz der Deutschen Sporthochschule Köln ein, der lautet: „Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren.“
In Trainings höre ich häufig Sätze wie:
„Gib mir bitte eine gute Formulierung.“
„Was sage ich, wenn mein Gegenüber laut wird?“
Diese Fragen sind verständlich, greifen aber unserer Meinung nach deutlich zu kurz. Denn Techniken wirken nur dann, wenn sie auf einer stabilen inneren Haltung aufbauen.
Nun dann … lass uns daran arbeiten.
Liebe Grüße,
dein Volker
Vor dem Gespräch
Haltung zeigen
Haltung bedeutet:
- Innere Klarheit über die eigene Rolle
- Emotionale Selbstregulation unter Druck
- Die Fähigkeit, bei sich zu bleiben, auch wenn das Gegenüber es nicht ist.
Ohne diese Basis wird jede Kommunikationstechnik zur Fassade.
Das Gute daran ist, dass diese 3 Parameter wunderbar und nachhaltig erlernbar sind.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass unter Stress die Amygdala die Führung übernimmt. Dadurch wird der präfrontale Cortex neutralisiert, das rationale Denken gedrosselt und Reaktionen werden impulsiver.
Studien aus der Stress- und Emotionsforschung (u.a. Baumeister, Sapolsky) belegen, dass mit steigendem emotionalem Druck Perspektivwechsel, Zuhören und Klarheit abnehmen – das sog. „Brett vor dem Kopf“ ist plötzlich da. Klares Denken geht dann nicht mehr.
Ich kenne das Problem aus meiner Schulzeit, wenn ich an die Klausuren und Test zurückdenke. Plötzlich war alles, was ich eben noch wusste, wie weggeblasen.
Folglich ensteht Souveränität nicht im Gespräch, sondern vor dem Gespräch. Und es werden Tools benötigt, die akut im Einsatz fruchten.

Das wirkt auch auf deine GesprächsparterInnen.
Bleib gelassen.
Auf den Punkt gebracht
So sieht die Realität aus
In der Praxis sieht es meist so aus:
KundInnen werden nicht schwierig, sie bringen Druck mit.
KollegInnen-Gespräche eskalieren selten fachlich, sondern relational und emotional.
Mitarbeitende reagieren sensibel auf Unsicherheiten ihrer Führungskraft.
Souveränität bedeutet:
Ich bin innerlich stabil genug, um äußere Instabilität auszuhalten und mich von der Eigendynamik einer Situation nicht gefangen nehmen zu lassen.
Reflexion
Frage dich …
- In welchen Gesprächssituationen verliere ich am schnellsten meine innere Ruhe?
- Woran merke ich das körperlich?
- Welche Trigger kenne ich bei mir?
Konkret umsetzbar
Deine ToDos
Vor einem herausfordernden Gespräch:
- Definiere innerlich deine Rolle.
- Atemtechnik
Atme bewusst 11 Mal langsam aus (7 Sek.). Danach atme 11 x schnell mit dem Zwerchfelleinsatz ein (4 Sek.).
Mit Hilfe dieser Atemübung wird der Parasympathicus aktiviert und du bleibst ruhiger. Das funktioniert auch direkt in der herausfordernden Situation, ohne dass dein Gesprächspartner es merkt.
- Gehe in die sog. Powerpose.
Stehe dabei möglichst gerade (geht auch im Sitzen). Die Füße stellst du gut Schulterbreit und fest auf die Erde. Richte die Schultern nach hinten und drücke das Becken nach vorne.
Das Testosteron steigt und die Stresshormone sinken. (N. Prof. A. Cuddy, Univ. Stanford)
- Beobachte dich selbst im Gespräch und gehe dazu partiell kurz in die Metaebene zur Selbstreflexion.
- Nutze den Gedankenanker des Kühlschrankes.
Denke ganz banal: „Ich bin Kühlschrank, ich bin ultracool, ich bleibe hier im Gespräch total ruhig und gehe nicht hoch.“