
Werte, die tragen (II)
Vorbild schlägt Vorschrift
Werte von Führungskräften
Eine Führungskraft kann so viele Werte-Workshops besuchen, wie sie will – wenn ihr eigenes Verhalten und ihre Grundhaltung im Alltag etwas anderes zeigt als das, was sie predigt, merkt das Team es innerhalb von Tagen. Und dann ist jedes weitere Wort zum Thema Werte verbrannt. Diesen Fehler hatte ich selbst im 1 Jahr meiner Führungstätigkeit als reg. Verkaufsleiter selbst hautnah erleben müssen.
Daher meine authentische Erfahrung: Führung ist der Ort, an dem Werte entweder glaubwürdig werden – oder komplett wertlos.
Schauen wir uns also heute – im 2. Newsletter zum Thema „Werte, die tragen“ – einmal an, welche Werte für Führungskräfte unabdingbar sind.
Viel Freude beim Lesen,
dein Volker
DAS MODELL
Die 3 "K" der wertorientierten Führung
Aus meinen Coachings mit Führungskräften im Außendienst und Management hat sich ein einfaches Raster bewährt:
- Klarheit
Ich sage, was ich meine, und meine, was ich sage. Keine doppelten Botschaften. - Konsequenz
Ich handle so, wie ich es ankündige. Auch wenn es unbequem oder unpopulär ist. Stichwort hier: Raus aus der Komfortzone – rein in die Komm-Vor-Zone - Kümmern
Ich sehe den Menschen hinter der Leistung, nicht nur die Zahl auf dem Dashboard. Ich räume die Steine weg, die im Wege meiner mitarbeitenden KollegInnen sind, damit sie sich voll auf ihren Vertrieb konzentrieren können. „Und ich bin Umbrellamanager, der – wie es im Harvard Business Manager steht – wenn es Scheiße von oben regnet, den Schirm aufspannt“ (Originalton). Und ich gehe an dieser Stelle noch weiter. Kürzlich in einem Team-Entwicklungstraining regnete es auch von der Nachbar BU also von der Seite. Somit kann auch so etwas passieren.
EINE ERFAHRUNG
Aus meiner Praxis
In einem Führungskräfte-Coaching mit einem Regionalleiter aus der Pharmabranche kam eine Situation zur Sprache, die mir seitdem als Paradebeispiel dient. Er hatte seinem Team in einem Kick-Off-Meeting angekündigt: „Bei uns zählt Ehrlichkeit mehr als geschönte Zahlen – wenn ihr ein Ziel reißt, sagt es offen, das ist kein Problem. Lass uns dann nach Lösungen gemeinsam suchen…“
Wenige Wochen später hat genau das ein Teammitglied getan. Er kommunizierte offen, dass ein Quartalsziel nicht erreichbar sei und begründete dies nachvollziehbar.
Die Reaktion des Regionalleiters darauf, war (knapp, sichtlich unzufrieden, mit dem Unterton): „Das hätte nicht passieren dürfen“.
Im 1:1 Coaching haben wir diese eine Reaktion seziert. Sein eigener Satz aus dem Kick-Off war plötzlich nichts mehr wert. Nicht, weil er ihn nicht ernst gemeint hätte, sondern weil sein spontanes Verhalten im entscheidenden Moment eine andere Botschaft gesendet hat als seine Ankündigung.
Das Team hatte diesen Widerspruch registriert, lange bevor er selbst es gemerkt hat. Das Vertrauen hatte genau in diesem Moment einen Bruch erlitten.
Die gute Nachricht
Der Regionalleiter hat es bewusst in der nächsten Runde korrigiert – mit einem offenen Eingeständnis. Genau dieser Moment der Selbstkorrektur hat ihm mehr Vertrauen gebracht als die ursprüngliche Ankündigung selbst.
Und jetzt muss er wieder daran arbeiten, das volle Vertrauen vom Team zurückzubekommen.
Reflexion
Für dein nächstes Gespräch
Nimm dir 5 Minuten und beantworte für dich:
- Wo in den letzten Wochen habe ich etwas angekündigt, mich in der konkreten Situation aber anders verhalten?
- Wann habe ich zuletzt bewusst Zeit investiert, um zu verstehen, wie es einem Teammitglied wirklich geht – jenseits der Zahlen?
- Welchen der 3 K würde mein Team mir am ehesten absprechen, wenn es ehrlich gefragt würde?
- Gibt es eine Ankündigung von mir, die ich in der Praxis bislang nicht konsequent eingehalten habe?
Konkret umsetzbar
Deine ToDos
Führe ein einziges Vier-Augen-Gespräch, in dem du bewusst nicht über Zahlen oder Ziele sprichst, sondern ausschließlich danach fragst, wie es der Person gerade wirklich geht – beruflich und persönlich. Höre zu oder besser hin, ohne sofort zu lösen. Und wenn dir dabei ein eigener Widerspruch zwischen Anspruch und Verhalten auffällt: Sprich ihn offen an. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die glaubwürdigste Form von Führung. Damit zeigst du Offenheit.
Schau dir auch mal das sog. JoHari-Fenster an.