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Psychologische Sicherheit und das Zusammenspiel von Führung und Team

Reibung im Team zulassen und profitieren

Wenn wir eines aus den letzten beiden Newslettern als Impulse mitnehmen, dann das:

  • Harmonie allein führt nicht zu Leistung.
  • Reibung ist kein Problem, sondern eine Voraussetzung für Qualität.

Die entscheidende Frage ist jetzt: Wer sorgt eigentlich dafür, dass diese Reibung entsteht?
Viele würden jetzt spontan sagen: die Führungskraft. Und das hätte ich früher auch getan.
Die Führung spielt hier in jedem Fall eine zentrale Rolle, doch sie ist nicht allein verantwortlich. Denn eine Kultur, in der offen gesprochen, widersprochen und hinterfragt wird, entsteht niemals durch Führung allein. Sie entsteht im Zusammenspiel von Führung und Team.

Was wir immer wieder beobachten ist, dass sich in der Praxis oft ein spannendes Muster zeigt, in dem Führungskräfte Räume öffnen, aktiv einladen Feedback zu geben und Offenheit signalisieren. Und dennoch bleiben Diskussionen häufig erstaunlich glatt und an der Oberfläche.

  • Widerspruch ist selten.
  • Spannung entsteht kaum.
  • Entscheidungen wirken schnell „rund“.
  • Mutig konstruktives Denken kommt wenig vor.

Dies passiert nicht, weil alles klar ist, sondern weil Vieles unausgesprochen bleibt. Und der Grund dafür liegt meist tiefer.

Befragen wir in unseren Trainings oder Workshops unsere TeilnehmerInnen, dann hören wir oft folgende Aussagen:

  • „Es ist besser, wenn ich mich anpasse. Es ist sicherer als ein Widerspruch von mir – also wenn ich behaupte, dass ich etwas völlig anders sehe.”
  • „… das Miteinander ist mir wichtig – nicht immer dieses Gegeneinander.”
  • „Fehler ansprechen ist halt ein unkalkulierbares Risiko – und darauf habe ich keine Lust.”

Wie du als Führungskraft und als Team mehr Reibung zulassen und davon profitieren kannst, zeigen wir dir heute.

Gemeinsam konstruktiv nach vorne – dabei wünsche ich dir viel Erfolg.

Liebe Grüße,
dein Volker

Aufgabe der Führungskraft

Feedback einholen

Dieser Situation begegnen wir häufig:
Die Führung wartet auf ehrliche Rückmeldungen – bekommt sich jedoch nicht. Und das Team wartet darauf, dass jemand anderes den ersten Schritt macht – und keiner macht den 1. Schritt.

Wenn wir Reibung wirklich wollen, reicht es nicht, sie zu erlauben. Sie muss aktiv erzeugt werden. Und genau hier beginnt Führung – im konkreten Verhalten.

Ein erster, oft unterschätzter und nicht beachteter Schritt der Führungskraft ist dabei:
Nicht selbst Feedback geben, sondern Feedback aktiv einholen und annehmen.

1 . Als Führungskraft kannst du also Folgendes fragen:
  • „Was hätte ich als FK in den letzten Wochen besser machen können?“
  • „Wo habe ich euch vielleicht eher gebremst als unterstützt?“
  • „Was würdet ihr euch konkret anders wünschen?“
  • „Was muss passieren, damit ihr noch offener eure ehrliche Meinung und auch Kritik äußert?”
2. Nach deiner Fragestellung entscheidend:

Nicht erklären, nicht relativieren und vor allem nicht rechtfertigen, sondern einfach nur hinhören und aushalten. Und: bedanke dich ruhig für das Feedback.
Unser interner Leitspruch hierzu lautet: „Feedback is breakfast for Champions.“

Genau jetzt entsteht Vertrauen und somit die Grundlage dafür, dass Menschen sich überhaupt trauen, klar zu sprechen.

Aufgabe des Teams

Widerspruch ansprechen

Jetzt ist das Team an der Reihe, das den Feedback-Raum auch aktiv nutzen sollte. Denn die Mitarbeitenden sind keine ZuschauerInnen dieser Entwicklung, sie sind MitgestalterInnen.

Das bedeutet für dich:
  • Gedanken aussprechen, auch wenn sie noch nicht perfekt formuliert sind.
  • Zweifel teilen, auch wenn sie unbequem wirken könnten.
  • Widersprechen, auch wenn es Überwindung kostet.

Es reicht nicht, dass Führung Reibung zulässt. Das Team muss diese Reibung auch leben.
Hierfür gibt es ein paar konkrete Ansatzpunkte, damit Reibung nicht zufällig enssteht, sondern gezielt gefördert wird. 

1. Klare, einfache Interventionen im Alltag:
  • „Ich sehe das anders.“
  • „Ich habe eine andere Einschätzung.“
  • „Ich glaube, wir übersehen hier etwas.“
2. Durch bewusst gesetzte Perspektivwechsel:
  • „Was würde unser kritischster Kunde dazu sagen?“
  • „Welche Argumente sprechen gegen unsere aktuelle Lösung?“
In Diskussionen kann es hilfreich sein, Widerspruch sogar zu strukturieren:
  • Nach einer Idee werden zunächst nur Gegenargumente gesammelt.
  • Zustimmung wird bewusst zurückgestellt.
  • Unterschiede werden sichtbar gemacht, statt eingeebnet.
Eine der wirkungsvollsten Fragen überhaupt:

„Stellt euch vor, dieses Projekt ist gescheitert – warum?“

Plötzlich entsteht Raum für Dinge, die vorher keinen Platz hatten: Zweifel, Risiken und unausgesprochene Gedanken.

Ein entscheidener Moment

Die gemeinsame Haltung entwickeln

Alle oben aufgeführten Ansätze führen zu einem entscheidenden Moment: Es wird kurz unangenehm und du befindest dich etwas außerhalb deiner Komfortzone. Und genau in diesem Moment entscheidet sich, ob ein Team wirklich leistungsfähig ist.

  • Wird die Spannung gehalten?
  • Oder wird sie sofort wieder geglättet?

Am Ende geht es weniger um Methoden als um eine gemeinsame Haltung. Es ist eine Art stiller Vertrag, der gemeinsam im Team erarbeitet und vor-gelebt wird.

Stiller Vertrag:
  • Wir sprechen Dinge an.
  • Wir halten Unterschiedlichkeit aus.
  • Wir verstehen Widerspruch als Beitrag – nicht als Angriff.

Die Führung kann diesen Rahmen initiieren und das ganze Team entscheidet, ob er gelebt wird. 

Zusammengefasst

Fazit

Vielleicht liegt genau hier der Hebel für echte Zusammenarbeit: Nicht mehr Harmonie zu erzeugen, sondern mehr Verantwortung für Reibung zu zulassen.

Am Ende hängt Zusammenarbeit nicht daran, wie gut wir uns verstehen. Sondern daran, wie ehrlich wir miteinander sind – auch dann, wenn es unbequem wird.

Reflexion

Frage dich …

1. Beobachte dich in den nächsten Tagen ganz bewusst:
  • Wo hältst du dich zurück, obwohl du etwas zu sagen hättest?
  • Wo gehst du in Zustimmung, obwohl du Zweifel hast?
  • Wo hoffst du, dass jemand anderes den unangenehmen Punkt anspricht?
2. Triff eine bewusste Entscheidung

Wähle eine konkrete Situation in der kommenden Woche, in der du normalerweise harmonisieren würdest.

Und dann mache es dieses Mal anders:

  • Sprich den Gedanken aus.
  • Formuliere deinen Zweifel.
  • Halte die Spannung einen Moment länger aus.
  • Beobachte, was passiert.

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