Brainswarming

Kreatives und lösungorientierten Denken und Arbeiten

Wir kennen es alle: Wir sitzen im Strategiemeeting, im Workshop oder in einer Saleskonferenz. Das Problem steht im Mittelpunkt der Diskussion und Lösungsansätze werden zerredet, schon bevor sie zu Ende erklärt wurden. Da fällt schon mal „geht nicht, weil …“, „das haben wir noch nie so gemacht“ oder „das haben wir vor 4 Jahren schon mal probiert und funktionierte nicht …“

Wir stellen Dir heute die Möglichkeit vor, lösungsorientiert mit zielführenden Fragen an die Lösung ranzugehen. Das motiviert und bringt Dich und Dein Team nach vorn.

Semper Avanti - Illustration: Brainswarming

Das ist der Priming-Effekt

Vorab-Info

Priming Effekt bedeutet: Sobald Du ein Signal- oder Reizwort hörst, denkst Du in eine Richtung. Hörst Du das Wort „Problem“, verläuft Deine Denkstruktur in Richtung des Problems. Der Denkfokus – also die Richtung – ist jetzt vorgegeben.
Im Limbischen System, wo unsere Emotionen zu Hause sind, ist nun der Bereich aktiv, in dem die negativen Gefühle „wohnen“.
Wenn Du allerdings eine Lösung finden willst, musst du die aktuelle Denkrichtung korrigieren, damit das Gehirn über den Bereich der „guten Gefühle“ des limbischen Systems arbeitet.

Brainswarming

Das kreative Lösungstool

Definition

Diese Kreativtechnik wurde von Tony McCaffrey entwickelt, weil er bemerkte, dass beim „einfachen“ Brainstorming die Ideen der eher schüchternen Teilnehmer meist untergingen und die der extrovertierten Teilnehmer dominierten. Die Folge daraus: ein suboptimales Ergebnis.

Die Methoden des Business Modelling und Post-it-Notes inspirierten ihn. Beim Brainswarming schreibt jeder Teilnehmer für sich seine Ideen auf Klebezettel, um sie später an eine Pinnwand mit den Ideen der anderen zu verknüpfen.

Vorteile
  • Introvertiertere Teilnehmer können sich ungehindert einbringen und den Lösungsprozess mitgestalten.
  • Zeitversetztes und paralleles Arbeiten an der Lösung.
  • Es ist kein Moderator notwendig.
  • Teilnehmer können auch Ideen anderer weiterentwickeln und haben Zeit zum Nachdenken.
  • Es werden verschiedene Denktypen („Konzeptdenker“ und „Ressourcendenker“) einbezogen.
  • Durch das Aufschreiben der Ideen wird das Denken mehr angeregt und vertieft sich.

Brainswarming in der Praxis

Ein Beispiel

Ausgangsaussage

„Die Umsätze bei unseren Key Opinion Leader (KOL) sind um 14% rückläufig“.
Diese Formulierung ist deutlich problemorientiert. Bleibt sie so stehen, bewegst Du Dich auf der Problemtour.

Vorbereitung

Finde stattdessen eine positive Formulierung für diese Aussage.
Z.B.: „Am 31.12.2022 sind unsere Umsätze bei unseren KOL über Vorjahresniveau.“ Das klingt schon ganz anders, nicht wahr?

Formuliere eine Frage.
(Die Frageform aktiviert und motiviert viel stärker als eine Aussage)
Hier könnte es heißen: „Wie schaffen wir es, dass am 31.12.2022 unsere Umsätze bei unseren KOL über Vorjahresniveau sind?“

Schreibe Deine Frage auf ein Flipchart. (Alternativ kannst Du die Frage mit wasserlöslichem Folienstift auf einer Scheibe im Büro notieren.)
Das Chart steht optimalerweise links von zwei noch unbeschrifteten Pinnwänden.

Die richtigen Fragen

Lösungsorientiert

Die folgenden Fragen sind ein paar Anregungen für dich. Wichtig: Wenn du hier das Signalwort „genau“ nutzt, dann denkt dein Gehirn auch genauer nach.

  • Wie sieht die ideale Lösung genau aus?
  • Was genau wäre die schnellste Lösung? Was die Effektivste?

  • Was genau müssen wir tun, damit das Problem noch viel größer wird, also die Umsätze noch schlechter?
    Nutze zur Beantwortung hier die Kopfstandmethode. Das heißt: suche das Gegenteil als Antwort. Häufig findest Du dadurch bereits teilweise oder sogar ganz eine Lösung.

  • Angenommen wir sitzen hier am 23.12.2022 und wir sind mit unseren Umsätzen über denen des Vorjahres. Was alles haben wir dann genau getan?

Die Umsetzung

Call-To-Action

Schritt 1 (Post-it-Farbe: blau)

Kreatives Ressourcensammeln

Hier geht es um das Zusammentragen/Aufschreiben von Möglichkeiten und Potentialen, die die Frage lösungsorientiert beantworten können bzw. Ideen entwickeln.
Dies können Personen, Salesstrategien oder Budgets sein.

Beispielhafte Ressourcen: strategisches. Accountmanagement, innovative Fortbildungsformate, Stakeholdermanagement …
Sammel die Ressourcen an der Pinnwand auf den Post-it Zetteln.
Dieses passiert auf der rechten Pinwand.

Schritt 2 (Post-it-Farbe: grün)

Sammeln von konkreten Ideen

Jeder Teilnehmer nimmt einen Stapel Post-it‘s und erarbeitet konkrete und möglichst präzise Lösungsansätze, die in Stichworten bzw. kurz und knapp formuliert aufgeschrieben werden.
Ihr könnt hier top-down – von der Ausgangsfrage ausgehend – („Konzeptdenker“) oder bottom up – von der Ressource her – („Ressourcendenker“) herangehen.

Schritt 3

Strukturieren und verbinden

Die Konzeptideen werden auf der Pinnwand (zwischen lösungsorientierter Frage und rechter Pinnwand) in der oberen Hälfte aufgeklebt. Die Ressourcenideen werden in der unteren Hälfte angebracht. Anschließend sortiert und verbindet ihr alles, was zusammenpasst. Ihr könnt hier gerne Clustern und dann Überschriften zuordnen.

Schritt 4

Diskutieren und argumentieren

Diskutiert jetzt gemeinsam die Lösungsansätze – immer in Hinblick auf die Zielfrage. (Die Zielfrage muss permanent gut sichtbar sein).

Schritt 5

Lösungsansätze auswählen

Wählt die Lösungsansätze nach den wichtigen Parametern aus.
Die kreative Portfoliomethode kann bei diesem Prozess sehr hilfreich sein.
Einzelne Lösungsansätze werden – nach zuvor besprochenen Parametern – in das Portfolio gebracht.

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